Wiesloch. (oé) Wie bewerten Wieslochs Parteien und Wählergruppen den Ausgang der Kommunalwahl? Die RNZ hat dazu gestern Stimmen gesammelt.
Grünen-Fraktions-Chef Dr. Gerhard Veits sah die Wählerwanderung weg von der CDU und hin zu den Grünen als "Quittung für die bisherige Politik". Vor allem die Kernstadt, wo die Grünen stärkste Kraft noch vor der CDU wurden, habe "mehrheitlich Grün gewählt". Sowohl in der Frage "Äußere Helde" als auch in den weiterhin anstehenden Themen Parkhaus am Bahnhof Wiesloch-Walldorf und Umgehungsstraße Altwiesloch hätten die Leute "klar in unsere Richtung entschieden". Die Grünen hätten die "richtigen Themen und die richtigen Positionen" gehabt und glaubhaft vertreten. Veits: "Die Bevölkerung verurteilt die Zerstörung der Äußeren Helde. Dies ist in dieser Wahl deutlich zum Ausdruck gekommen." Insgesamt wertete Veits das Ergebnis als "Bestätigung unserer Politik" und freute sich besonders auch über die "ganz hervorragenden Ergebnisse" der Kandidaten auf der Grünen-Liste, insbesondere über das Abschneiden der jungen Leute.
Als "negative Überraschung" und "herbe Enttäuschung" wertete Adrian Seidler, CDU-Ortsvereinsvorsitzender und frisch gewählter Stadtrat, das Abschneiden seiner Partei. Gleichwohl bleibe die CDU größte Fraktion und könne die Geschicke der Stadt weiter maßgeblich mitgestalten. Angesichts der CDU-Ergebnisse in Kreis und Land lägen die Verluste in Wiesloch auch im "allgemeinen politischen Trend". Dies sei "aber nur ein Teil der Erklärung". Seiner Meinung nach hätte die CDU "die starken Persönlichkeiten" ihrer Liste "noch mehr in den Vordergrund stellen" und ihre Sachargumente "mehr und besser verkaufen müssen". Insbesondere bei dem "sicherlich wahlentscheidenden Thema" Äußere Helde hätte die CDU den Bürgern mehr erläutern müssen, weshalb dieses Projekt für die weitere Entwicklung Wieslochs so wichtig sei. "Zu spät reagiert" habe man auf die Kampagne der Grünen zum Thema "Bahnhof". Nun gelte es, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Für Adrian Seidler heißt dies: ein noch stärkeres Zugehen auf die Bevölkerung und verstärkte Öffentlichkeitsarbeit. Eine genaue Wahlanalyse werde aber innerhalb der CDU noch folgen.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Lars Castellucci sprach von einem "interessanten" Wahlgang. Es zeige sich, dass in Wiesloch "alles bunter" werde. Abgesehen von seinem persönlichen Ergebnis freute den SPD-Sprecher, dass seine Partei die "Trendumkehr" geschafft und erstmals seit den 80er Jahren wieder leicht zugelegt habe. Dies sei Ergebnis eines "Riesenengagements" der Kandidaten. Mit der Wahl seien im Rat die Zeiten "automatischer Mehrheiten" vorbei, die Politik werde "einen Tick interessanter". Seine Fraktion werde den eingeschlagenen Weg weitergehen, sich um das "soziale Gesicht der Stadt" zu kümmern. Hier sehen die Sozialdemokraten ihre "Kernkompetenz" und wollen ihr "Profil weiter schärfen".
Auch der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Gerhard Remy (er hatte nicht mehr kandidiert), erwartet Änderungen in der Ratsarbeit. Es werde je nach Beratungsgegenstand noch häufiger als bisher "wechselnde Koalitionen" geben. Er erhofft sich durchaus positive Wirkungen für die Stadt, wenn die Lager "nicht mehr so festgefahren sind, sondern ein bisschen mehr Flexibilität zeigen müssen". Mit dem Ergebnis der Freien Wähler zeigte sich Remy "generell zufrieden". Man habe im Kreisrat punkten können und sich auch im Gemeinderat verbessert. Sein Dank galt den Wählern. Leider habe es nicht zu einem siebten Sitz gereicht, auf den die Freien Wähler angesichts einer "starken Liste" gehofft hatten.
Froh zeigte sich Eugen Wickenhäuser, dass die Wählergemeinschaft Frauenweiler ihren Stimmenanteil trotz niedrigerer Wahlbeteiligung habe halten und auch die von Klaus Adam hinterlassene Lücke (er kandidierte nicht mehr) habe kompensieren können. Dass er selbst seine Stimmenzahl trotz einer "teilweise unter die Gürtellinie gehenden Kampagne" sogar leicht steigern konnte, erfüllt Eugen Wickenhäuser mit Befriedigung. Er zeigte sich auch erfreut, dass die FDP "nach zehn Jahren Abstinenz" die Rückkehr in den Gemeinderat geschafft hat, wollte den Erfolg der Grünen nicht überbewertet wissen und zeigte sich überrascht, dass die SPD nicht noch mehr habe zulegen können. Das Abschneiden der CDU hat Eugen Wickenhäuser dagegen "nicht gewundert". Man habe nach außen "nicht genug Einigkeit gezeigt", fand er.
"Hocherfreut" reagierte der Wieslocher FDP-Vorsitzende Dr. Jörg Richter auf das Wahlergebnis seiner Partei. Die Liberalen hätten ihren Stimmenanteil gegenüber 2004 verdoppelt und seien nur knapp an einem zweiten Sitz "vorbeigeschlittert", meinte Richter, dem der Einzug in Wieslochs Rat gelang. Offenbar habe die FDP mit ihren politischen Aussagen "den Nerv der Bevölkerung getroffen", erklärte Jörg Richter, auch mit Blick auf das gute Abschneiden der FDP in den anderen Kommunen. Jetzt gehe es darum, möglichst viel von den eigenen Konzepten umzusetzen. Man habe den Ehrgeiz, der FDP in Wiesloch eine Rolle zu geben, die sie in Kreis und Land bereits einnimmt. Man werde sich für Wiesloch einsetzen, aber auch "das Gesamtbild" sehen. Als FDP-Bundestagskandidat erhofft sich Jörg Richter nun auch einen positiven Impuls für die Bundestagwahl im Herbst.
Als Vertreterin der Frauenliste zeigte sich Stadträtin Karin Becker glücklich, es "noch einmal geschafft" zu haben – und zwar mit einem "richtigen Sitz" und nicht über ein Ausgleichsmandat. Zugleich machte Frau Becker keinen Hehl daraus, dass sie "nach zehn Jahren Engagement" etwas mehr erwartet hätte. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir künftig zu zweit im Gemeinderat sind". Dort werde nun ein "neuer Wind" einziehen, auch weil es "neue Leute" gebe. Es freue sie auch, dass die Politik der Grünen gestärkt worden sei.