Jugendarbeit in Wiesloch
Stehlik, Mitarbeiter des Internationalen Bundes, erläuterte den Auftrag der offenen Jugendarbeit als Sozialisationsinstanz, als Anbieter von Bildung, Freizeitgestaltung und Beratung. Dieser werde in den drei Jugendzentren in Wiesloch, Baiertal und Schatthausen so gut wie möglich im Rahmen der vorhandenen Mittel umgesetzt. Die größten Herausforderungen stelle hierbei die Arbeit in Wiesloch dar, während in Baiertal und Schatthausen die Situation befriedigend sei.
Im Kern gehe es darum, all jene Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 20 Jahren aufzufangen, denen aufgrund von Versäumnissen in der Schulzeit und in der Familie der Berufseinstieg vorerst nicht gelungen sei, und die folglich einen Überschuss an nicht verplanter Zeit besäßen, ein Teil von ihnen von der Öffentlichkeit als ‚Schlecker- bzw. ‚Hoschket-Jugendliche tituliert.
Ein immer wiederkehrendes Problem seien ein geringer Bildungsstand, schlechte Deutschkenntnisse, fehlende realistische Selbsteinschätzung der eigenen Chancen und Fähigkeiten und schließlich mangelnde Toleranz und Respekt im Umgang mit Personen außerhalb der eigenen Clique. Zu diesen Cliquen und den einzelnen Jugendlichen sei der Zugang nur sehr schwer zu erreichen, auch wenn der offene Treff im JuZ Wiesloch von diesen so genannten ‚Schlecker-Jugendlichen angenommen werde. Für 2009 seien im Rahmen der von der Stadt bereitgestellten Mittel zusätzliche Kooperationsveranstaltungen mit dem Kinder- und Jugendbüro und einzelne Bildungsangebote umsetzbar, so Stehlik. Er ist überzeugt, dass der eingeschlagene Weg einer engeren und konsequenteren Abstimmung aller beteiligten Hilfsträger und insbesondere die Zusammenarbeit mit den Schulen und Kindergärten zur Vorbeugung und frühzeitigen Hilfe von gefährdeten Kindern der richtige ist.
Vor diesem Hintergrund fordert die FDP Wiesloch Südliche Bergstraße die Stadt auf:
- Fokussieren Sie die öffentlichen Mittel und Maßnahmen auf jene Gruppen von jungen Menschen, denen der Einstieg ins Berufsleben verwehrt ist. Der Erfolg aller Hilfsmaßnahmen muss sich unserer Meinung nach daran messen, wie schnell ein jeder der betroffenen Jugendlichen in das Berufsleben integriert wird und damit die Gruppe der so genannten ‚Schlecker- bzw. ‚Hoschket-Jugendlichen verkleinert.
- Sorgen Sie für eine konsequente und kontinuierliche enge Abstimmung der Aktivitäten aller beteiligten Hilfsträger und betroffenen Gruppen. Insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt, den islamischen Gemeinschaften, den türkischen und russischen Gemeinden und Elternvereinen, den Schulen und der Wirtschaft als potentiellem Arbeitgeber muss intensiviert werden. Wir sind davon überzeugt, dass eine intensivere Zusammenarbeit und Koordinierung der unterschiedlichen Hilfsorganisationen eine insgesamt deutlich größere Wirkung zeigt.
- Profitieren Sie von der Präsenz der vielen lokalen Arbeitgeber, um die betroffenen Jugendlichen frühzeitig an das Berufsleben heranzuführen. In vielen Gemeinden wie beispielsweise in Bammental bewirken enge Kooperationen zwischen Schulen und Wirtschaft höchste Erfolgsraten beim Übergang von der Schule in das Berufsleben.
- Verstärken Sie die Maßnahmen zur Vorbeugung und Früherkennung von schulischen oder familiären bzw. sozialen Problemen durch enge Zusammenarbeit mit den Grundschulen, Kindergärten und dem Kinderschutzbund. Die effektivste Jugendarbeit besteht in unseren Augen in der frühen individuellen Lernförderung und dem Einbinden in ein stabiles soziales Netzwerk bestehend aus Vorbildern.
- Stellen Sie den betroffenen Kindern, Jugendlichen und deren Familien Coaching- bzw. Mentoringpartner zur Seite. Programme wie Balu-und-Du sorgen in vielen Städten für große Erfolge bei der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Ein anderes erfolgreiches Beispiel aus Frankreich ist das Programm ‚Familien helfen Familien in Not. Setzen Sie auch verstärkt auf ehrenamtliches Engagement. Viele Senioren sind bereit, Jüngeren zu helfen, nicht nur bei den Hausaufgaben, sondern auch bei der Bewerbung und im Alltag als Reflektoren und Ansprechpartner. Und ganz wichtig: Bringen Sie die betroffenen Jugendlichen mit erfolgreichen Aufsteigern aus der so genannten Szene in Kontakt.
- Bieten Sie schließlich den betroffenen Jugendlichen mehr Rückzugsräume durch und erhöhen Sie die Kapazitäten für Streetworker zur Arbeit an den abendlichen Brennpunkten.
Als liberale Partei fordern wir jeden Bürger auf:
- Engagieren Sie sich ehrenamtlich, stellen Sie sich oder ihre Familie als Coach zur Verfügung.
- Zeigen Sie Integrationsbereitschaft, gehen Sie offen auf diese jungen Menschen zu. Zeigen Sie den Jugendlichen, dass sie zu uns gehören, so dass diese die Möglichkeit sehen, in unserer Gesellschaft glücklich zu werden.
- Reichhaltige Erfahrungen aus anderen Städten belegen, dass durch diese Maßnahmen mehr Jugendlichen schneller der Einstieg ins Berufsleben ermöglicht werden kann. Dieses ist nach unserer Überzeugung Grundvoraussetzung für ein Leben in Würde und Selbstbestimmung und Grundlage für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Unsere Gesellschaft ist auf jeden einzelnen angewiesen, und unsere Mitmenschlichkeit verlangt es, jeden einzelnen Menschen mitzunehmen und niemanden liegen zu lassen.